Diese Azoren Rundreise lebt vom Kontrast: São Miguel ist größer, vielseitig und vergleichsweise leicht zu bereisen. Flores wirkt kleiner, grüner und noch stärker vom Atlantik geprägt. Dazwischen lag ein kurzer Flug, den wir damals unter besonderen Bedingungen sogar kostenlos buchen konnten.
Unsere Azoren Rundreise im Überblick
- Porto: früher Ankunftstag und ein voller Tag mit Portwein und Free Walking Tour
- São Miguel: eine Nacht in Ponta Delgada vor dem Weiterflug
- Flores: Poço da Ribeira do Ferreiro, Kraterseen, Fajã Grande und Fajã de Lopo Vaz
- São Miguel: Sete Cidades, Ponta da Ferraria, Teeplantage und Thermalbäder
Für unsere Reise entschieden wir uns bewusst für zwei sehr unterschiedliche Azoreninseln. São Miguel stand wegen der heißen Quellen, der großen Kraterseen und der Teeplantagen auf unserer Liste. Als Kontrast wählten wir Flores im äußersten Westen des Archipels: eine kleine Insel mit Wasserfällen, steilen Küsten und viel Ruhe. Wir wollten genügend Zeit haben, um die Landschaft in unserem eigenen Tempo zu erleben. Deshalb verzichteten wir auf weitere Inseln und zusätzliche Flüge.
Porto: ein voller Tag vor den Azoren
Unsere Azoren Rundreise begann am 29. Februar in Porto. Wir landeten sehr früh am Morgen und übernachteten im Predicados do Douro Palace. Die Anreise über das portugiesische Festland war damals eine Voraussetzung dafür, dass wir den anschließenden Flug auf eine weitere Azoreninsel kostenlos bekommen konnten. Bei uns war Porto also nicht nur ein zusätzlicher Städtetrip, sondern Teil dieser Flugkombination.
Den Ankunftstag ließen wir bewusst offen. Nach dem frühen Flug liefen wir ohne festen Plan durch die Stadt und entschieden uns spontan für eine Führung durch die Portweinkeller von Taylor’s in Vila Nova de Gaia. Zum Abschluss gehörte auch ein Tasting. Gerade weil wir die Führung nicht lange vorher geplant hatten, fühlte sie sich wie ein schöner Zufallsfund an.
Am 1. März begann unsere Free Walking Tour um 10 Uhr. Nachdem wir Porto am Vortag einfach auf uns hatten wirken lassen, bekamen viele Gebäude, Plätze und Viertel dadurch noch einmal einen historischen Zusammenhang. Anschließend erkundeten wir die Stadt weiter und gingen noch etwas shoppen.
Obwohl wir in Porto nur einen frühen Ankunftstag und einen vollen Tag hatten, bekamen wir durch die spontanen Spaziergänge, die Portweinführung und die Walking Tour einen vielseitigen ersten Eindruck von der Stadt. Nach so viel Kultur und Geschichte freuten wir uns auf die Natur der Azoren.
Zwei Restauranttipps in Porto
Besonders gut gegessen haben wir im Rua Tapas und im Sandeiro do Porto. Im Rua Tapas gab es an unserem Abend sogar Live-Musik, was den spontanen Restaurantbesuch noch einmal besonderer machte. Ob dort regelmäßig Musik gespielt wird, würde ich vor einem Besuch allerdings noch einmal aktuell prüfen.
Zwischenstopp auf São Miguel vor dem Flug nach Flores
Am 2. März flogen wir von Porto nach São Miguel. Für unsere gebuchte Verbindung nach Flores war dort eine Übernachtung nötig. So konnten wir am nächsten Tag ohne Eile weiterfliegen. Den Abend nutzten wir für einen Spaziergang durch Ponta Delgada, ohne für die wenigen Stunden ein großes Programm einzuplanen.
Auf dem Weg nach Flores stiegen wir noch einmal kurz auf Terceira um. Dort wechselten wir lediglich das Flugzeug und reisten direkt weiter. Für einen Besuch der Insel blieb bei diesem Zwischenstopp keine Zeit.
Unser kostenloser Weiterflug von São Miguel nach Flores
Nach unserer Nacht auf São Miguel flogen wir mit SATA Air Açores über Terceira weiter nach Flores. Dieser Inselflug war für uns damals kostenlos. Portugal beziehungsweise die Azoren boten ein sogenanntes interinsulares Anschlussrouting an, wenn Reisende vom portugiesischen Festland über eine der größeren Azoreninseln zu einer anderen Insel weiterflogen. Unsere vorherige Anreise über Porto erfüllte diese Voraussetzung.
Flores: Wasserfälle und wilde Atlantikküste
Schon der Flug machte deutlich, wie weit Flores von São Miguel entfernt liegt. Nach der Landung wurde die Reise ruhiger. Die Insel wirkt ländlicher, die Straßen führen zwischen Weiden, kleinen Orten und steilen Hängen hindurch. Immer wieder öffnet sich der Blick auf den Atlantik.
Unser Airbnb lag bei Lajes das Flores, herrlich abgelegen direkt neben einer Kuhweide und mit Blick aufs Meer. Morgens brachten uns die Besitzer frische Eier vorbei. Lebensmittel besorgten wir in einem kleinen Supermarkt im Ort. Am Ankunftstag machten wir nichts mehr und erkundeten lediglich die unmittelbare Umgebung des Hauses.
Leider wurden wir während des Aufenthalts krank und mussten einige Tage deutlich ruhiger verbringen als geplant. Wir blieben viel rund um das Airbnb, machten dort Fotos und ließen die Landschaft auf uns wirken. Bei dieser Aussicht war selbst das ungeplante Langsamreisen nicht die schlechteste Alternative.
Poço da Ribeira do Ferreiro
Am zweiten Tag auf Flores fuhren wir zum Poço da Ribeira do Ferreiro. Vom Parkplatz bis zur Lagune sind es ungefähr 10 bis 15 Minuten zu Fuß. Der steinige Weg kann nach Regen feucht und rutschig sein. Schuhe mit Profil sind deshalb sinnvoll.
Am Ende fallen zahlreiche schmale Wasserfälle über eine fast vollständig begrünte Felswand. Unten sammelt sich das Wasser in einer ruhigen Lagune. Der Ort wirkt nicht wegen eines einzelnen großen Wasserfalls, sondern durch das gesamte Halbrund aus Felsen, Wasser und dichtem Grün. Trotz des kurzen Weges war das einer der eindrucksvollsten Orte unserer Azoren Rundreise.
Lagoa Negra und Lagoa Comprida
Danach fuhren wir weiter zum Miradouro da Lagoa Negra e Lagoa Comprida. Von hier blickt man auf zwei große Kraterseen, die unmittelbar nebeneinanderliegen und trotzdem völlig unterschiedlich wirken. Besonders die fast schwarze Lagoa Negra bildet einen starken Kontrast zum umliegenden Grün.
Zwischen den Seen verläuft eine schmale Straße. Sie macht die Landschaft noch ungewöhnlicher und war für uns gleichzeitig einer der spannendsten Fotospots auf Flores.
Fajã Grande und die Küste von Flores
Zum Abschluss des Tages fuhren wir ans Wasser nach Fajã Grande. Rund um den Ort trifft das Grün der Insel unmittelbar auf dunkle Lavafelsen und den offenen Atlantik. Wir blieben eine Weile an der Küste und sahen zu, wie die Wellen gegen die schwarzen Steine schlugen. Spätestens hier merkt man, wie exponiert Flores mitten im Ozean liegt.
Kurze, steile Wanderung zur Fajã de Lopo Vaz
Als es uns wieder besser ging, wanderten wir hinunter zur Fajã de Lopo Vaz. Der Weg führt über unebene Steinstufen recht steil zur Küste. Die offizielle Azoren-Wanderseite gibt für die gesamte Tour etwa 3,4 Kilometer und zwei Stunden Gehzeit an. Unten wartete ein abgelegener schwarzer Strand auf uns.
Für den Ausflug hatten wir ein kleines Picknick vorbereitet. Am Strand fanden wir einen ruhigen Platz, machten Mittagspause und genossen die abgeschiedene Lage. Danach ging es auf demselben Weg wieder bergauf. Der Rückweg über die Stufen war deutlich anstrengender als der Abstieg.
Spontane Käseprobe in der Queijaria Val da Fazenda
Am Abend fuhren wir einmal quer über die Insel zur Queijaria Val da Fazenda. „Queijaria“ heißt auf Portugiesisch Käserei. Eine Verkostung hatten wir nicht reserviert und eigentlich kann man dort nicht einfach mit einer Käseprobe rechnen. Wir fragten trotzdem nach und hatten Glück. Der Besitzer zeigte uns die kleine Käserei, erklärte uns die Herstellung und ließ uns verschiedene Käse probieren.
Außer uns war niemand dort. Gerade deshalb fühlte sich der Besuch besonders persönlich an und nicht wie eine durchgetaktete Besichtigung. Nach unserem Eindruck werden auch geplante Führungen angeboten; wer die Käserei gezielt besuchen möchte, sollte deshalb vorher Kontakt aufnehmen.
Zurück auf São Miguel: Kraterseen, Tee und Thermalwasser
Am 6. März flogen wir von Flores zurück nach São Miguel und bezogen das Volcanic Charming House. Nun hatten wir mehr Zeit für die größte Insel des Archipels. São Miguel verbindet Kraterlandschaften, Küste, Felder und geothermisch aktive Gebiete auf vergleichsweise engem Raum. Schon während der Fahrten wechselte die Landschaft ständig.
Caldeira Velha: Thermalquellen mitten im Grün
Am nächsten Tag fuhren wir zu den Thermalquellen von Caldeira Velha. Die warmen Becken liegen zwischen dichtem Grün, Farnen und dunklen Felsen. Gerade diese Umgebung machte das Baden für uns besonders: Wir saßen im warmen Wasser und blickten direkt auf die üppige Vegetation. Mit einem großen, durchgestalteten Thermalbad hatte das wenig gemeinsam.
Vom verlassenen Hotel nach Sete Cidades
Eine unserer Wanderungen begann am Miradouro da Vista do Rei. Direkt am Aussichtspunkt steht das verlassene Hotel Monte Palace, das der bekannten Aussicht auf die Seen von Sete Cidades eine ziemlich ungewöhnliche Kulisse gibt. Von dort wanderten wir weiter in Richtung Sete Cidades.
Die Strecke war etwas anspruchsvoller als unsere kurzen Wege auf Flores, aber gut machbar. Unterwegs wechselten die Perspektiven auf die Kraterlandschaft immer wieder, bevor wir schließlich unten im Ort ankamen.
Abends baden an der Ponta da Ferraria
Am Abend fuhren wir zur Ponta da Ferraria und gönnten uns noch ein Bad im Atlantik. Dort mischt sich warmes vulkanisches Wasser mit dem Meerwasser. Nach der Wanderung war das ein schöner Abschluss des Tages.
Whale Watching mit einigen Pannen
Für den folgenden Tag hatten wir eine Whale-Watching-Tour gebucht. Bei der Uhrzeit hatten wir uns allerdings durch die Zeitverschiebung vertan. Dazu nahm ich meine Tablette gegen Übelkeit viel zu früh. Dadurch verschlief ich einen großen Teil der Bootstour.
Die Wale, die gesichtet wurden, waren nur sehr weit in der Ferne zu erkennen. Vielleicht spielten der Reisezeitraum Anfang März und die Bedingungen an diesem Tag eine Rolle. Für uns war die Tour jedenfalls kein großes Tiererlebnis, sondern eher eine Erinnerung daran, dass sich Sichtungen in freier Natur nicht planen lassen.
Zweimal Wolken am Miradouro da Boca do Inferno
Den berühmten Blick vom Miradouro da Boca do Inferno wollten wir trotzdem nicht verpassen. Bei unserem ersten Versuch lag die gesamte Landschaft jedoch in den Wolken. Von den Kraterseen war praktisch nichts zu sehen.
Am Ende der Reise versuchten wir es ein zweites Mal. Auch diesmal blieb der Aussichtspunkt komplett verhüllt. São Miguel zeigte uns damit ziemlich deutlich, dass selbst ein guter Reiseplan gegen das wechselhafte Wetter der Azoren wenig ausrichten kann.
Tee mit Blick auf den Atlantik
Zwischendurch erkundeten wir Ponta Delgada weiter und besuchten die Teeplantage Chá Gorreana. Die niedrigen, sauber gezogenen Teereihen folgen den grünen Hügeln, dahinter liegt der Atlantik. Gerade diese Verbindung aus Landwirtschaft und Küstenlandschaft blieb uns im Gedächtnis. Der Besuch war unkompliziert und gleichzeitig einer der Orte, die sich auf São Miguel wirklich besonders anfühlten.
Terra Nostra Park zum Abschluss
Nach unserem zweiten erfolglosen Versuch am Boca do Inferno machten wir noch einen Spaziergang durch den Terra Nostra Park. Auch wenn der Park für sein großes Thermalbecken bekannt ist, war für uns an diesem Tag vor allem der Rundgang durch den Garten ein ruhiger Abschluss der Zeit auf São Miguel.
Geothermie und Baden in warmem Wasser
An mehreren Stellen macht São Miguel sichtbar, dass die Insel vulkanischen Ursprungs ist. Heißes Wasser tritt aus dem Boden, Dampf hängt zwischen Farnen und Schilder warnen vor Temperaturen, die bis zum Siedepunkt reichen können.
Das Wasser der Thermalbecken ist nicht klar wie in einem Schwimmbad. Eisen und andere Mineralien geben ihm eine kräftige Farbe und können helle Badekleidung verfärben. Dunkle Badesachen und ein separates Handtuch sind deshalb die praktischere Wahl.
Rückflug über Porto
Zum Ende der Reise flogen wir zurück nach Porto und übernachteten im Eurostars Matosinhos. Wir gingen noch kurz an den nahe gelegenen Strand, würden dafür aber keinen zusätzlichen Aufenthalt einplanen. Für uns war er nicht besonders sehenswert. Am folgenden Tag ging es zurück nach Frankfurt.
Praktische Tipps für eine Azoren Rundreise mit São Miguel und Flores
- Inselflug früh prüfen: Zwischen São Miguel und Flores fliegt SATA Air Açores. Flugtage und Preise hängen vom Reisezeitraum ab.
- Zeitpuffer lassen: Flores liegt weit draußen im Atlantik. Plane vor einem wichtigen Anschluss keine zu knappe Verbindung.
- Nicht zu viele Inseln kombinieren: Zwei Inseln reichen für eine abwechslungsreiche Reise. Jeder zusätzliche Flug kostet Zeit und macht die Route wetteranfälliger.
- Wetter flexibel behandeln: Sonne, Wolken und Regen können sich schnell abwechseln. Eine wasserdichte Jacke und Schuhe mit Profil gehören auch an freundlichen Tagen ins Gepäck.
- Für Thermalbäder: Dunkle Badekleidung und ein separates Handtuch einpacken, weil mineralhaltiges Wasser helle Stoffe verfärben kann.
- Aussichtspunkte flexibel planen: Bei geschlossener Wolkendecke lohnt sich selbst die Fahrt zum Boca do Inferno kaum. Wenn möglich, Sichtverhältnisse prüfen und einen zweiten Versuch offenhalten.
- Whale Watching realistisch sehen: Sichtungen sind nie garantiert. Tabletten gegen Seekrankheit außerdem genau nach Packungsbeilage beziehungsweise ärztlicher Empfehlung und passend zur Abfahrtszeit einnehmen.
- Porto bewusst einplanen: Ein früher Ankunftstag und ein voller Tag reichten uns für Stadtspaziergänge, eine Portweinführung und eine Free Walking Tour.
Wenn du noch eine weitere portugiesische Insel mit ganz anderem Charakter suchst, findest du in unserem Beitrag die Madeira Rundreise in 8 Tagen.
Fazit: zwei Inseln, die sich gut ergänzen
São Miguel und Flores fühlten sich nicht wie zwei Varianten derselben Insel an. São Miguel brachte Teeplantagen, Gärten und geothermische Landschaften in die Route. Flores war rauer, ruhiger und von Wasserfällen sowie der offenen Atlantikküste geprägt.
Den damaligen kostenlosen Inselflug würden wir heute nicht mehr bekommen. Die zusätzliche Verbindung würde ich bei der Planung deshalb von Anfang an ins Budget einrechnen. Auch bei einer erneuten Azorenreise würde ich mich auf zwei Inseln beschränken. So bleibt genug Zeit für ihren jeweils eigenen Charakter, statt einen großen Teil der Reise in Flugzeugen und an Flughäfen zu verbringen.