Kolumbien · Leticia · 3 Tage

Amazonas Tour ab Leticia: drei Tage, die wir nicht vergessen werden

Überflutete Wege, eine Nacht in der Maloka und eine Bootsfahrt, die auf dem Rückweg ziemlich chaotisch wurde. So haben wir unsere Amazonas Experience erlebt.

Blick aus einem Holzboot auf den Amazonas unter dunklen Wolken
Auf dem Amazonas Richtung Peru. Die Bootsfahrt war einer der schönsten Teile unserer Tour.

Am ersten Tag standen wir hüfthoch im Wasser. In der Nacht schliefen wir in Hängematten bei indigenen Gastgebern. Und auf dem Rückweg versperrte uns ein umgestürzter Baum den Fluss, während unser Flug nach Bogotá immer näher rückte. Die Amazonas Experience ab Leticia war aufregend, aber auch deutlich anstrengender, als wir vorher gedacht hatten.

Wir fanden die Amazonas Experience Leticia online und buchten die Tour dort. Das Hostel Casa Las Palmas in Leticia war als Mitveranstalter beteiligt. Die Tour führte uns zu einer Maloka im Wald und anschließend mit dem Boot zu einer zweiten Unterkunft in Peru. So schön manche Momente waren, so chaotisch war einiges drumherum. Genau deshalb erzähle ich hier nicht nur die Highlights, sondern auch, was wir bei der Planung anders machen würden.

Unsere drei Tage auf der Amazonas Experience

Vor dem Start: ein Übersetzer, der kaum Englisch sprach

Vor der Buchung hatten wir extra nach der Sprache gefragt. Unser indigener Guide führte auf Spanisch, und ein Freiwilliger sollte für uns übersetzen. Vor Ort stellte sich heraus, dass der italienische Begleiter zwar sehr gut Spanisch sprach, aber kaum Englisch. Gerade an den Stellen, an denen wir klare Anweisungen gebraucht hätten, kamen wir damit nicht weit. Weil ich Spanisch spreche, konnte ich unseren Guide selbst fragen und bekam auch viel mehr über seine Umgebung mit.

Wenn du ohne Spanisch unterwegs bist, würde ich mich nicht mit dem Versprechen einer Übersetzung zufriedengeben. Frag konkret nach, wer dich begleiten wird und ob diese Person ausreichend Englisch spricht. Das hätte bei uns einiges entspannter gemacht.

Tag 1: Der Weg zur Maloka stand unter Wasser

Geplant war eine Wanderung von etwa ein bis zwei Stunden zur Unterkunft im Wald. Der Weg war zu Beginn allerdings stellenweise hüfthoch überflutet. In Gummistiefeln durch so viel Wasser zu laufen, war schon anstrengend genug. Dazu kamen die glatten Baumstämme, über die wir immer wieder balancieren mussten. Aus dem gemütlichen Spaziergang wurden ungefähr drei Stunden, und unsere Hängematten hatten wir ebenfalls dabei.

Unser Ziel war eine einfache Maloka bei indigenen Gastgebern. Wir schliefen in Hängematten unter Moskitonetzen. Wie geplant sammelten wir gemeinsam mit unserem Gastgeber die Zutaten für Mambe. Die Zubereitung dauerte mehrere Stunden. Danach saßen wir bis tief in die Nacht am Feuer. Er erzählte uns viel über die Geschichte seines Volkes und darüber, wie beim Mambe Ritual Wissen über Generationen weitergegeben wird. Später durften wir das Mambe probieren. Zum Abendessen gab es in der Maloka Fisch als eine Art Suppe mit Reis und Kochbananen. Das schmeckte uns sehr gut. Bei der Nachtwanderung entdeckten wir Spinnen und Schlangen. Danach waren wir so erschöpft, dass wir praktisch sofort in unsere Hängematten fielen.

Reisende waten in Gummistiefeln durch einen überfluteten Dschungelweg im Amazonas
Was als leichte Wanderung angekündigt war, begann mit einem stellenweise hüfthoch überfluteten Weg.
Mit Palmblättern gedeckte Unterkunft zwischen dichter Vegetation im Amazonas
Nach etwa drei Stunden erreichten wir die einfache Unterkunft mitten im Wald.
Hängematten und Moskitonetze in einer offenen Unterkunft im Amazonas
Unsere Schlafplätze für die Nacht: Hängematten unter Moskitonetzen.
Offene Feuerstelle zum Kochen im Inneren einer Maloka im Amazonas
Im Inneren der Maloka wurde am offenen Feuer gekocht und später auch Mambe hergestellt.
Große Spinne auf dem Waldboden im Licht einer Taschenlampe
Bei der Nachtwanderung entdeckten wir Spinnen wie diese und auch Schlangen.

Tag 2: Vom Dschungel ins Boot nach Peru

Am zweiten Morgen liefen wir den Weg wieder zurück. Danach wechselten wir ins Holzboot und fuhren über den Amazonas weiter Richtung Peru. Von dort aus wirkte der Dschungel gleich wieder anders. Statt ständig auf die Füße zu schauen, hatten wir endlich Zeit, die dichten Ufer und den breiten Fluss auf uns wirken zu lassen.

Unsere zweite Unterkunft war sehr einfach, hatte aber Zweierzimmer und richtig gutes Essen. Weniger schön war, dass der Besitzer deutlich alkoholisiert war. Sein Verhalten fanden wir ziemlich unangenehm. Auch solche Erfahrungen gehören für mich zu einer ehrlichen Einschätzung der Tour.

Mit dem Boot fuhren wir zu einer Auffangstation für Affen und andere Wildtiere, die Menschen zuvor als Haustiere gehalten hatten. Der Gedanke, dass sie vielleicht nie wieder selbstständig im Wald leben können, blieb bei uns hängen. Die Station versucht, sie auf eine Auswilderung vorzubereiten. Bei Tieren, die stark an Menschen gewöhnt sind, gelingt das jedoch nicht immer.

Danach gingen wir Piranhas angeln. Das war überraschend spannend: Ein Stück Hähnchen kam als Köder an den Haken, und wir sollten die Angel im Wasser zittern lassen. Unser Fang wurde später angebraten und zum Essen serviert. Er schmeckte uns richtig gut.

Blick aus einem blauen Holzboot auf den Amazonas unter dunklen Wolken
Mit dem kleinen Holzboot fuhren wir über den Amazonas Richtung Peru.
Einfacher bunt gestrichener Holzflur in einer Unterkunft am Amazonas in Peru
Die zweite Unterkunft war ebenfalls sehr einfach, bot aber kleine Zweierzimmer und gutes Essen.
Gefangener Piranha in einer Hand während der Amazonas-Tour
Unser Piranha-Fang wurde später angebraten.
Auf Stelzen errichtete Tierauffangstation am Fluss im Amazonasgebiet
In der Auffangstation werden Wildtiere aufgenommen, die zuvor als Haustiere gehalten wurden.
Zwei Affen sitzen gemeinsam auf einer Wiese in der Auffangstation
Die Tiere sollen langfristig wieder ausgewildert werden. Bei großer Nähe zum Menschen ist das jedoch nicht immer einfach.
Dunkler Affe frisst Obst auf einer Holzterrasse der Auffangstation
Neben mehreren Affenarten wurden in der Station auch andere Wildtiere versorgt.
Roter Ara sitzt auf einem Baumstumpf in der Tierauffangstation
Auch Aras gehörten zu den Tieren, die wir in der Auffangstation sahen.
Tukan sitzt auf einem Schild in der Tierauffangstation im Amazonas
Ein Tukan hatte sich direkt über dem Weg niedergelassen.

Tag 3: Ein Baum, eine Machete und der Flug nach Bogotá

Am letzten Tag schauten wir vom Boot aus noch einmal nach den rosa Flussdelfinen. Wir konnten sie tatsächlich entdecken, allerdings nur aus der Ferne. Anschließend ging es Richtung Leticia, denn unser Flug nach Bogotá sollte noch am selben Tag starten.

Unser Guide nahm eine Abkürzung durch einen engen Seitenarm. Das klang erst einmal gut, bis ein umgestürzter Baum quer im Fluss lag. Umdrehen ging nicht, dafür war es zu eng. Also griff unser Guide zur Machete und begann den Stamm zu bearbeiten. Wir stiegen aus, balancierten an der Engstelle vorbei und machten das Boot so leicht wie möglich. Mit ordentlich Schwung versuchte er schließlich, es über den restlichen Stamm zu bringen.

Wir haben den Flug tatsächlich noch erreicht. Trotzdem war das einer dieser Momente, in denen ich mir gewünscht hätte, wir wären einfach den längeren Weg gefahren. Die Tour hatte uns schon genug Abenteuer geboten.

Schmaler Wasserweg mit dichter Vegetation auf dem Rückweg Richtung Leticia
Auf dem Rückweg Richtung Leticia nahm unser Guide eine Abkürzung durch einen schmalen Seitenarm.
Blick aus dem Boot in einen engen überfluteten Wald im Amazonasgebiet
Zwischen den überfluteten Bäumen wurde der Weg immer enger. Zum Wenden war kaum noch Platz.
Guide bearbeitet einen umgestürzten Baum, der den schmalen Wasserweg blockiert
Der umgestürzte Baum blockierte den Wasserweg vollständig. Unser Guide versuchte, mit der Machete eine Durchfahrt zu schaffen.

Packliste: Was uns vorher nicht im Detail klar war

Vor der Tour hatten wir eine Packliste bekommen, aber sie ging nicht sehr ins Detail. Uns war deshalb nicht klar, wie viel wir selbst tragen würden. Zusätzlich zu unserem Daypack mussten wir auch die Hängematten mitnehmen. Am ersten Tag wateten wir mehrere Stunden durch Wasser. Alles, was nicht gut geschützt oder schnell wieder trocken war, wurde zum Problem.

  • Schnelltrocknende Kleidung: leichte, möglichst lange Sachen sowie trockene Wechselkleidung für die Nacht.
  • Insektenschutz: genügend Repellent und bedeckte Haut für alle drei Tage.
  • Daypack mit Regenschutz: nur das Nötigste mitnehmen. Wichtige Dinge zusätzlich wasserdicht verpacken.
  • Hängematte: Frag vorab, ob du eine gestellt bekommst und ob du sie selbst durch den Wald tragen musst.
  • Gummistiefel und Socken: mit dem Anbieter besprechen, was gestellt wird und wie die Wege aktuell aussehen.
  • Stirnlampe und persönliche Medikamente: in der einfachen Unterkunft besonders hilfreich.

Frag vor der Buchung nach Wasserstand, tatsächlicher Wegdauer, Sprachkenntnissen des Guides und dem gesamten Gepäck, das du selbst tragen musst. Unsere Tour war deutlich anspruchsvoller als angekündigt.

Würden wir den Amazonas noch einmal so bereisen?

Die Maloka, das Leben am Fluss und die Begegnungen mit unserem Guide sind uns sehr im Kopf geblieben. Gleichzeitig waren Organisation, Kommunikation und die Rückfahrt für uns teilweise unangenehm. Ich würde den Amazonas wieder besuchen, aber bei einer nächsten Reise eher ein Hotel am Fluss als Basis wählen und von dort Tagesausflüge machen. Das haben wir selbst noch nicht ausprobiert, es wäre aber die entspanntere Variante, die wir uns heute wünschen würden.

Unsere komplette Route mit Cartagena, Tayrona, Minca, Medellín und der Kaffeezone findest du in der Kolumbien Rundreise für drei Wochen.